Resturlaub

„Du hast noch 2 Tage Resturlaub“, sagte meine Frau zu mir, „da können wir doch einen Tag davon Weihnachtseinkäufe machen.“
„Zusammen?“
„Ja, einen ganzen Tag shoppen, wäre das nicht toll?“
Das ist nicht toll, denn Einkaufen ist mir ein Graus und mit mir Einkaufen ist noch gräuslicher. Meine Frau weiß das aber Sie versucht es immer wieder.
Nun ja, denke ich, noch ist es ein bischen hin bis Weihnachten und vielleicht kommt mir noch die rettende Idee. Und tatsächlich als ich eines Morgens die Zeitung öffnete glänzten meine Augen.
<Männerhort in der Innenstadt zu Weihnachten jeden Sonnabend geöffnet. Eine neue Einrichtung wo Frauen ihre nörgelnden Ehemänner abgeben können, um in Ruhe einzukaufen.>
Genial.
Ich legte die Zeitung mit dem Artikel nach oben neben den Frühstücksteller meiner Frau. Und tatsächlich sie biss an:
„Stell dir vor was es jetzt zu Weihnachten gibt. Einen Männerhort wo Frauen die Ehemänner abgeben können. So ein Blödsinn! Wer soll denn dann die ganzen Pakete schleppen?“
Das war ein Fehlschlag. Aber so leicht gebe ich nicht auf.
„Du kannst doch mit deiner Schwester einkaufen gehen. Wir fahren zusammen in die Stadt, ihr setzt mich beim Männerhort ab, und dann könnt ihr ganz in Ruhe einkaufen.“
Noch ehe ich die letzte Silbe ausgesprochen hatte, war mir klar, dass ich einen Fehler gemacht hatte.
Meine Frau war begeistert!
Aber ich kenne meine Schwägerin. Das Ganze konnte nur auf eines hinauslaufen: Powershopping bis zur Ekstase!
Aber jetzt gab es keinen Weg mehr zurück. Am Samstag wurde ich am Männerhort abgegeben und meine Frauen verschwanden im Dschungel des Einkaufsrummels.
Am Eingang des Männerhorts begrüßte mich eine freundliche Dame und bat mich ihr mein Handy zu geben.
„Warum?“, fragte ich.
„Sie wollen doch wohl nicht, dass sie alle halbe Stunde gefragt werden, ob das oder dies oder jenes für den oder die das passende Geschenk sei, oder?“
Genau das wollte ich nicht. Und wenn schon abschalten dann richtig.
Ich betrat den Aufenthaltsraum und setzte mich zu einer Gruppe Männer und lauschte dem Gespräch:
„Ich hätte beinahe vergessen die Kreditkarten zu sperren.“
„Ich habe gerade noch daran gedacht den Dispo zu kürzen.“
„Das wichtigste ist immer, vorher die Geheimzahlen zu ändern.“
Jetzt entdeckten sie mich. Der Dickste von Ihnen stand auf und gab mir die Hand.
„Hallo, ich bin der Achim.“
Ich grüßte und spürte, das ich ziemlich blass aussah.
„Bist das erste Mal hier, oder?“
„Ja.“
„Das erste Mal ist immer das schlimmste. So dumm ist man kein zweitesmal.“
Ich wusste nicht genau was ich sagen sollte. Irgendwie hatte ich so ein Grummeln im Bauch, so ein flaues Gefühl. Sie schauten mich mitleidig an, dann fragte einer:
„Habt ihr einen Ehevertrag?“
„Bitte – was?“
„Na ja oder zumindest Gütertrennung?“
Ich schüttelte den Kopf.
Die Blicke wurden noch trauriger. Ich griff wie in Panik zu meinem Gürtel. Doch der Griff ging ins Leere, das Handy war ja nicht mehr da. Ich fühlte mich gefangen. Ich stand auf.
„Ich bin gleich wieder da.“
Aber Achim griff mich am Arm, zog mich zurück auf den Stuhl und sagte:
„Nun trink doch erstmal was.“
Auch gut, dachte ich.
„Dann spielen wir eine Runde Skat, um eins gibt es Eishockey um halb vier Fußball Bundesliga und abends Bud Spencer. Den Tag haben wir bisher immer rumgekriegt.“
Beim Skat sah ich noch gut aus, beim Eishockey war der Puck eindeutig zu schnell, beim Fußball spielen sie jetzt immer mit 2 Bällen und dann muss Bud Spencer mir einen auf die Glocke gehauen haben, denn mein Schädel fing fürchterlich an zu brummen.
Mittlerweile war es spät geworden. Meine Kumpels wurden nach und nach abgeholt. Ich holte tief Luft und hatte immer noch das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben.
Schließlich waren nur noch Achim und ich da. Ich ging zum Ausgang und  wollte mein Handy abholen, doch da war auch schon keiner mehr. Draußen nieselte es.
Und dann sah ich sie, meine Frau und ihre Schwester wie sie quietschvergnügt aus dem Nebel auftauchten.
„Mensch Fredo, wo warst du denn, wir haben den ganzen Tag versucht dich anzurufen. Wir hatten ja so einen tollen Tag in der Stadt, das kannst du dir gar nicht vorstellen.“
Oh doch das konnte ich schon.
„Das kannst du dir gar nicht vorstellen wie voll es in der Stadt war, total schrecklich. Wir haben uns gleich in ein Cafe gesetzt, den ganzen Tag geklönt und abends waren wir im Kino.“
Ich schaute die beiden verdutzt an:
„Ihr habt nichts gekauft?“
„Ach Schatz, ohne dich bringt das Einkaufen doch gar keinen Spaß.“ Meine Frau himmelte mich an und ihre Schwester grinste über beide Backen.
Achims schwere Hand legte sich auf meine Schulter.
„Alles klar?“
„Alles klar“, sagte ich langsam.
„Na dann, Frohe Weihnachten!“
„Frohe Weihnachten.“