Die Fee

Es war einmal ein junger, hübscher, ja wirklich gutaussehender Mann von kräftiger Statur. Ein Mann, der, so schien es auf der Sonnenseite des Lebens stand. Konnte so ein Mann überhaupt Wünsche haben, fragte sich die Fee. Sie wollte es wissen und überraschte ihn beim morgend¬lichen Joggen.

„Hallo.“

„Hallo, wer bist du?“

„Ich bin eine Fee.“

„Eine richtige Fee?“

„Ja.“

„So eine etwa, wo man drei Wünsche frei hat?“

Der kommt ja schnell zum Punkt, dachte die Fee überrascht.

„Ja du hast drei Wünsche frei, sofern du überhaupt welche hast.“

„Erstens einen Job mit Spaß, viel Geld und hohem Ansehen. Zweitens eine kumpelhafte schöne Frau die kocht und mit mir ausgeht. Drittens ein großes Haus zum Lustwandeln.“

Die Wünsche kamen wie aus der Pistole geschossen. So als hätte er sie schon lange in sich getragen und wollte sie jetzt endlich loswerden. Die Fee war beeindruckt.

„Geh nach Hause. Wo deine Wohnung war steht jetzt dein Haus. Deine Frau wartet schon mit dem Frühstück. Und vergiss nicht, um 8:00 Uhr musst du zur Arbeit.“

Der Mann tat wie ihm die Fee befohlen hatte. Alles war so wie er es sich vorgestellt hatte. Die Arbeit machte Spaß, seine Frau war wirklich toll und das Haus ein Traum. Und das alles for nothing, for free, einfach so.

Er konnte sich gar nicht mehr vorstellen wie es vorher gewesen war. Und er konnte sich auch nicht erinnern wie es dazu gekommen war. Wie er seine Frau kennengelernt hatte, wie es gefunkt hatte zwischen ihnen, wie sie frisch verliebt waren, wie sie das erste Mal ausgegangen waren. Auch wie er Karriere gemacht hatte fiel ihm nicht mehr ein. Das Haus war ihm auch fremd. Wie hatte er es gefunden, was hatte er alles verän¬dert, was umgebaut?

Das Haus hatte keine Geschichte. Eigentlich hatte alles, was ihn jetzt zufrieden machte, keine Geschichte. Das machte ihn nachdenklich. Und je mehr er nachdachte und versuchte sich zu erinnern, desto trauriger wurde er.