Bärbel

Bärbel wird immer sonderlicher, sagen die anderen. Sie sei so chaotisch, kümmere sich kaum noch um Ihren Haushalt, lasse alles verkommen.

Wenn Bärbel ihre langen blonden Locken aus dem Gesicht streift und ihre Sommersprossen hervortreten wirkt sie wunderbar natürlich. Ihre Augen zwinkern, sie lächelt beinahe. Doch der Schein trügt. Seit sie arbeitslos geworden ist, oder wie sie selber sagt, gescheitert ist, zieht sie sich immer mehr zurück. Stundenlang streift sie durch die Wälder. Draussen in der Natur, da fühlt sie sich wohl. Hier hört sie keiner. Hier hat sie keine Probleme. Hier fühlt sie sich geborgen.

Dabei ist sie im Gespräch durchaus sympathisch. Und trotz ihrer fast 40 Jahre hat sie sich eine natürliche Jugendlichkeit bewahrt. Doch es gibt immer mehr andere, wunderliche Momente. Da scheint sie ihren Gegenüber gar nicht wahrzunehmen. Dann driften ihre Gedanken ab. Dann schaut sie aus dem Fenster, hört nicht mehr zu. Diese Traumwelt, die sich sich geschaffen hat, ist ihr Zufluchtsort. Ihre Bekannten mächten sich Sorgen, sagt sie. Aber warum, fragt sie sich. Sie habe doch alles im Griff und dabei lächelt sie wieder. Nachher gehe sie wieder in den Wald.

Dort spricht sie mit den Blumen, die stellen keine Fragen, die hören einfach nur zu. Die stellen keine Forderungen, die brauchen nur den richtigen Platz und ein wenig Wärme. Genauso wie Bärbel.